Lass uns (weiter)MOOCen, egal ob X oder C

Nun ist sie schon vorbei die erste Woche des MMC13. Ich habe nicht alles gelesen und gemacht, was ich vorhatte. Das war aber zu erwarten und irritierte mich nicht besonders. Ich habe eher so das Gefühl, bei einem spannenden Buch die Seiten umblättern zu wollen, weil man unbedingt wissen will, wie es weiter geht.

Über eine Frage aus dem Programm für die erste Woche habe ich ein wenig nachgedacht und möchte hier ein vorläufiges Ergebnis festhalten. Die Frage lautet „Was ist ein MOOC wirklich? Course? Conference? Community? Clique? Chaos?“ Dieser Text ist der erste Versuch einer Reflektion, gewissermaßen ein Notizblatt, dass ich später weiter bearbeiten kann.

Die Blogs der anderen TN und einige der Texte auf der Leseliste für diese Woche haben mir beim Nachdenken geholfen. Vielen Dank an alle Autoren!

Annahme 1: Nicht jeder kostenlose Online Kurs ist ein MOOC

Wenn ich mit Leuten an der Uni über MOOCs spreche, läuft das meist darauf hinaus, dass ich kurz erkläre, wobei es sich handelt. Online Kurse werden an meiner Uni nun schon an fast allen Fakultäten angeboten. Von einem MOOC hat jedoch kaum einer gehört, geschweige denn daran teilgenommen. Was haben ein MOOC und ein Online Kurs gemeinsam? Sie starten von einer gemeinsamen Lernplattform, auf der sich die TN einschreiben. Ich würde jedoch nicht so weit gehen, zu sagen, dass „ein MOOC eine Plattform“ ist. Mich erinnert der MOOC an einen chemischen Prozess, der von einigen Katalysatoren (sprich: Organisatoren) mit Hilfe bestimmter Strukturen (Internetseite, Themen- und Zeitplan) in Gang gesetzt wird. Ein Online Kurs ist ein geschlossenes System, das es TN ermöglicht, ein bestimmtes Thema in einer bestimmten Zeit zu bearbeiten. Der Lehrende bestimmt weitgehend, welche Aktivitäten im Fokus des Lernprozesses der TN stehen sollen. Je nach Lernkontext ist es üblich, die TN zu evaluieren und ggf. zu benoten. Die Organisatoren eines MOOC  dagegenstellen idealerweise nur einen Teil des Lerninhaltes in organisierter Form auf einer Plattform zur Verfügung. MOOC-Teilnehmer fügen ihre Artefakte hinzu, die Lerninhalte werden. Und MOOC-Teilnehmer finden und kommunizieren andere relevante Quellen zum Lernthema. ´Eine gute Übersicht über die Merkmale von Online Kursen und MOOCs findet sich bei Stragies (2012, Tabellen 1 und 2).

Annahme 2: Die Entstehung der xMOOCs ist im Kontext der aktuellen wirtschaftlicher Situation in den USA zu sehen.

Audrey Waters beschreibt in ihrem Blog die Entwicklung des Trends zum MOOC im Verlauf des Jahres 2012. Aber was ist der Hintergrund für diesen amerikanischen Rummel, der sogar deutsche Universitätsprofessoren dazu verleitet, sich als Studenten „inkognito“ in digitale Hörsäle zu begeben? Mit fallen dazu zwei Punkte ein. Zum einen könnte ein Vergleich zwischen den Einschreibegebühren der University of Stanford und der deutschen Universitäten weiterhelfen. Bei diesen Preisen ist es wohl verständlich, dass kostenlose Kurse, besonders, wenn sie von den teuersten Unis angeboten werden, viele Interessenten finden. Studenten in den USA sind seit Jahren daran gewöhnt, sich während ihrer Studienzeit hoch zu verschulden. Beträge von $20.000 sind dabei nichts Ungewöhnliches. Seit einigen Jahren ist es für sie jedoch zunehmen schwieriger geworden, nach Studienabschluss eine qualifizierte Arbeitsstelle zu finden. Somit bleiben sie auf ihren Schulden sitzen. Zum anderen ist Englisch nach wie vor die weltweit am verbreitetsten gelernte Fremdsprache. Und nicht jeder, der vielleicht gerne in den USA studieren möchte, bekommt auch ein Visum. Da ist doch ein xMOOC eine prima Alternative!

Annahme 3: Die Entstehung der cMOOCs ist im Kontext der geografischen Situation in Kanada zu sehen.

Die cMOOCs sind eine kanadische Erfindung. Sie werden in der Regel von einem  Universitätsprofessor im Rahmen einer regulären Lehrveranstaltung organisiert. Die Idee ist, dass alle TN miteinander und voneinander lernen. Einige zahlende Studierende, die den Kurs im Rahmen ihres regulären Studiums absolvieren und von dem Professor benotet werden, bekommen Gesellschaft von Interessierten aus aller Welt. Ich weiß nicht, was George Siemens und Steven Downs bewogen hat, diese Idee zu entwickeln. Aber Kanada ist ein großes Land mit geringer Bevölkerungsdichte, das immerhin sechs Zeitzonen umfasst. Digitale Kollaboration macht also Sinn. Die Herausforderung bei dieser Kursform ist, dass die TN ihren Lernprozess selbst gestalten. Die vom Lehrenden vorgegebenen Inhalte sind nur als Einstimmung für das jeweils zu bearbeitende Thema gedacht.

Frage: Wie passt der MMC13 in dieses Bild ?

Abschließend beantworten kann ich diese Frage nicht. Es könnte jedoch sein, dass der MMC13, zusammen mit dem ITyPA, in eine andere, neue Kategorie von MOOCs gehört. Man könnte diesen MOOC-Typus als euMOOC bezeichnen. „eu“ steht für Europa und bedeutet als Präfix wohl“, „gut“.

Bisher habe ich zwei Merkmale gefunden, an denen man euMOOCs und cMOOCs unterscheiden kann.

1. Im Gegensatz zu den cMOOCs werden die euMOOCs von Experten aus verschiedenen Fachgebieten gemeinsam organisiert und angeboten.

2. Die euMOOCs sind nicht in einen Universitätslehrplan eingebunden.

Es gibt möglicherweise noch andere Unterscheidungsmerkmale.

Was ich gegen Ende des Kurses vielleicht machen könnte ist, die MOOC-Matrix anschauen und weiter über dieses Thema nachdenken.

Heute beginnt ein MOOC  auf Spanisch, organisiert von der Western University in Kanada (#humanistadigital). Vielleicht hat ja jemand Lust, da mal reinzuschauen?

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